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Outing, oder Wie sag ich's meinen Mitmenschen?

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an den man seinen Mitmenschen Bescheid sagen muss, was mit einem los ist. Bei mir war dieser Punkt ziemlich schnell erreicht.

Noch bevor ich für mich sagen konnte, "ja, ich bin transexuell" hab ich gemerkt, dass mir das alles zu sehr auf der Seele lastet, als dass ich nicht darüber reden könnte. Nach weniger als einem Monat, in dem ich mich intensiv mit mir selbst auseinandersetzte musste es einfach raus.

Die erste, die es erfahren hat war meine große Schwester. Für mich war es eine extreme Überwindung ihr zu sagen "Du, ich muss dir was erzählen..." Sie war die erste, weil ich wusste, dass sie eine extrem aufgeschlossene Person ist, und ihr Kleiderschrank war, aus dem ich mich bediente für meine ersten Crossdressing-Versuche. Natürlich war es für sie schon erstmal ein gewisser Schock; ich denke, dass ist normal, man kündigt schließlich an, dass man mehr verändern will, als man sich das vorstellen kann. Vermutet, das bei mir noch irgendetwas rauskommt hatte sie schon eine ganze Weile "Entweder Terrorist oder Überraschungsei - Zum Glück das zweite." Aber letztlich ist sie gut damit klar gekommen. Das gute daran war auch, dass mit meiner neu gewonnen Offenheit, die ohnehin schon sehr gute Beziehung zu meiner Schwester sich deutlich intensivierte. Dadurch wurde sie eine wichtige Stütze für mich, die meine Schritte weiter begleitete.

Als zweiter, wurde ein Schulfreund von mir eingeweiht, den ich seit der siebten Klasse kannte. Das Bild was er von mir hatte, hat sich gründlich gewandelt, sowas hatte er nun gar nicht vermutet. Eine gewisse Distanz hat sich zwischen uns damit erstmal aufgebaut, aber mit der Zeit haben wir die auch überwunden. Danach folgten weitere Freunde und mit jedem Outing wurde es leichter für mich.

Irgendwann war es dann auch so weit, mich vor meiner Mutter zu outen. Sie hatte bemerkt, das was mit mir los ist. Mir ging es besser, ich hatte Elan, ich nahm rapide ab, ich hab mehr gelacht. Jedenfalls hab ich ihr es dann erklärt und sie konnte besser damit umgehen, als ich das dachte. Vordergründig alberte sie sogar ein wenig rum, aber in ihrem inneren machte ihr das natürlich schon zu schaffen. Jetzt hab ich das Gefühl, dass sie das akzeptieren kann, auch wenn es ihr manchmal noch schwer fällt.

Es folgten noch viele Outings. Als gute Strategie hat es sich dabei erwiesen, die Outings zu provozieren: Irgendwas tun, oder sagen, was neugierig macht, worauf es eine Nachfrage gibt - dann zögert man, was das Gegenüber noch neugieriger macht, bis man dann endlich so weit ist, was zu sagen.

Und noch immer bin ich im Prozess des outens. Gestern habe ich mich gegenüber meinem großen Bruder und seiner Familie geoutet. Und viele weitere Menschen werden noch folgen und ich hoffe auf positive Reaktionen.

Bis zum nächsten Eintrag wünscht alles Liebe,

Anna

30.11.06 23:56


Anna hat 'nen Blog *gggg*

Hallöchen !

Nachdem ich es immer ganz toll fand, was manche Leute für ein tollen Blog haben, da dachte ich mir einfach mal ganz frech: "Hey, vielleicht kannst du das auch?" und hab einfach mal damit angefangen, mal schauen was dabei rauskommt.

Schön wäre es natürlich auch, wenn jemand dann auch noch meine geistigen Ergüsse lesen würde, aber auch so ist es ein netter Versuch eine Art öffentliches Tagebuch zu schreiben

 

Wer bist'n du überhaupt?

Ich bin ein Mensch, der immer von sich behauptet hat, dass er ein Langweiler ist, und all das was ich tue, wäre ziemlich uninteressant . Es gibt einige liebe, die meinen, das stimmt nicht - vielleicht haben sie ja recht damit.

 

Nun zu mir: Also, ich bin eine Transsexuelle - In meinem Fall also eine Frau, die das Problem hat, in einem männlichen Körper geboren worden zu sein. Es ist nicht so, dass ich immer hätte sagen können: "Ja, ich bin ein Mädchen!" sondern mehr das Gefühl anders zu sein als alle anderen. Klar ich habe die Mädchen immer bewundert, davon geträumt so wie sie zu sein und hatte irgendwie immer auch den Wunsch danach so zu sein. Dazu kamen viele Verhaltensweisen die man als mädchentypisch bezeichnen könnte, neben den jungstypischen - ja ich habe auch mit Autos gespielt. Später fing ich dann an mich an der Kleidung meiner Schwester zu bedienen und dachte dabei immer, ich bin irgendwie krank oder pervers, oder sonst was. Immer wieder folgten deshalb Versuche das alles zu "entsorgen" und immer wieder fing ich damit erneut an - und dabei immer den Gedanke, dass es ja keiner rauskriegen darf.

In diesem Jahr hat sich das Ganze gewandelt. Das Internet machts möglich. Ich stellte fest, dass ich nicht allein bin, ich kam in Kontakt mit anderen denen es ebenso geht. Und nun begann ich Stück für Stück, Etappe für Etappe mehr davon zu leben was ich sein wollte - mehr davon zu leben was ich bin. Das ging natürlich alles nur Schrittweise und in dem ich mich gegenüber anderen geöffnet habe und einfach ausprobiert habe.

Mittlerweile bin ich mir sicher, dass ich auf dem richtigen Weg bin, auch wenn es mir manchmal alles zu langsam geht und wenn ich auch manchmal meine Probleme habe und mich einfach nicht traue.

 

So, dass solls dann erstmal für heute von mir gewesen sein. Später sicherlich mehr

 

Liebe Grüße ,

Anna



28.11.06 16:44


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